Die Sache mit der Familie. . .

Immer präsenter wird irgendwie die Sache mit der Familie. Sicher weiß spontan fast jeder, der selbst in Regenbogenfamilienplanungen involviert ist oder war, dass es nicht selbstverständlich ist, nur freudige Reaktionen auf die Familienplanung zu bekommen. Und das wohl mit am häufigsten in den eigenen familiären Kreisen, die Menschen, die es meist gut mit uns meinen, uns nur positive Erfahrungen wünschen, und uns am ehesten ihre Meinung derart auf die Nase binden, dass wir manchmal daran zweifeln müssen, ob auf der anderen Seite registriert wurde, wie alt wir mittlerweile sind.

Okay, ich kann natürlich nur von mir reden, und dem, was ich aus meinem Umfeld immer wieder mitbekomme. An sich ist ja „alles easy“. Wir dürfen uns glücklich schätzen, einigermaßen tolerante Eltern erwischt zu haben, die uns nach unserem Outing nicht rausgeschmissen haben oder die Hochzeitsfeier boykottiert hätten, und mittlerweile haben sich wirklich alle gut arrangiert mit der Lebensweise ihrer Töchter.

Trotzdem ist da ein Thema, welches so brandheiß und heikel ist, dass es gerne mal ausgeklammert wird: Was passiert, wenn nun noch Kinder ins Spiel kommen? Ist das alles gut und richtig so? Was braucht eigentlich ein Kind? Mutter, Vater, xy? Was sagen die anderen? Welche Vorurteile werden kommen? Wird das Kind diskriminiert werden? Optionales Weltuntergangsszenario.

Wir selbst sind da natürlich schon super reflektiert und haben unsere Position klar gefunden. Sind schon an dem Punkt, dass wir alle diese Fragen klar beantworten können und uns zutrauen, alle Widerstände zu bewältigen. Wir wollen uns das Recht nicht nehmen lassen unser Familienglück zu leben, und fühlen uns ja selst eigentlich nicht anders oder sonderbar. Oma und Opa, Tante, Onkel, usw. können wir uns auch schon in ihren Rollen vorstellen.

Aber unsere Eltern scheinen da hinterherzuhinken… Es scheint, als würden sie gar nicht in die Richtung denken wollen. Und deshalb haben sie verständlicherweise viel zu wenige Stunden ihres Lebens damit verbracht, sich wichtigen Fragen zu stellen um eine realistische Einschätzung zu erreichen. Haben wir sie zu wenig in die Richtung geschubst? Warum? Bringen wir uns in Wahrheit selbst in diese Abseits-Haltung, weil wir das Darüber-Schweigen ermöglichen?
Warum muss über etwas, das ein solch wichtiger Teil unserer Lebensplanung ist, geschwiegen werden?

Eine große Ausnahme möchte ich nicht verschweigen- meine Schwiegermutter, die stets bemüht ist, sich mit neuen Dingen auseinanderzusetzen, fragt seit Jahren nach, wie denn der Stand ist. Ihr ist klar, dass es früher oder später soweit sein wird. Auch wenn sie einst schon offen ihre Zweifel geäußert hat (schon das allein hat mich rasend gemacht!), mittlerweile stellt sie sich darauf ein und ich glaube, sie hat viel darüber nachgedacht, dass sie (dorfbekannt) in der Zukunft nicht nur ihre ihre lesbische Tochter in Homo-Ehe, sondern auch noch eine Regenbogenfamilie repräsentieren soll.

Und ich glaube, auch wenn viele Menschen betonen, weltoffen und tolernat zu sein- so unwichtig, wie Andere über uns denken, ist es uns nicht. Weder unseren Eltern -die generationsbedingt andere Ängste plagen- noch wir, die weiterhin von unseren Eltern lieb gehabt werden wollen- auch und gerade dann, wenn wir etwas tun was die Eltern aus ihrer Sicht nicht zu 100% unterschreiben würden.

Es ist schon etwas Trauer dabei, dass wir nicht selbstverständlicherweise nur die üblichen freudigen Reaktionen empfangen werden, wie das ein Hetreo-Paar meist haben würde.
Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich etwas resigniere. Ich möchte nicht mehr diskutieren über Grundsatzfragen, mich bestimmten Argumenten nicht mehr stellen. Die Frau meines Vaters sagte jüngst plump, wir würden einem Kind von vornherein etwas vorenthalten (Vater) und das sei nicht zu verantworten. Aber nicht in einem ernsthaften, ruhigen Gespräch, sondern beiläufig, als wir das Thema nur schnitten. Ich habe beschlossen, meine Energien nicht dafür zu verschwenden. Ich erwarte von unseren Familien, dass sie sich auseinandersetzen, informieren, weil wir und ihre Enkel es wert sind, dass nicht nur ausgeblendet wird. Ich möchte mir nichts ausreden lassen, und daher kommt auch unsere bewusste Entscheidung, unsere Eltern erst mit Ihrer Großelternschaft zu konfrontieren, wenn das Enkelkind schon längst im Anmarsch ist.
Und ich denke, um die Freude werden sie früher oder später keinesfalls herum kommen :-).

Welche Erfahrungen habt Ihr zu erzählen?

11 Gedanken zu “Die Sache mit der Familie. . .

  1. Die Probleme mit der Familie kennen wir auch gut. Wir haben unsere Eltern allerdings von Beginn an „eingeweiht“, weil wir es sowieso nicht geheimhalten wollten und konnten. Da wir über eine Kinderwunsch-Klinik gehen und unsere Kinder während des Studiums planen, erschien uns das als die richtige Variante. Früher oder später hätten wir uns eh verplappert und dann wären unsere Eltern wahrscheinlich enttäuscht gewesen, wenn wir bis dahin alles geheim gehalten hätten.

    Dadurch müssen wir uns natürlich schon jetzt mit allen Kommentaren und Bedenken unserer Eltern abfinden. Wobei die Eltern meiner Freundin relativ entspannt sind und die größten Bedenken haben, weil wir noch studieren. Meine Eltern hingegen… Das schlimmste, was ich mir bisher anhören durfte war: „Das arme Kind wird keinen Vater haben, und man sieht ja an dir was aus Kindern wird, die ohne Vater aufwachsen! Und bei dir habe ich mich wenigstens noch bemüht, dir genügend männliche Vorbilder in der Verwandtschaft zu bieten!“ An dem Punkt war ich fast schon soweit, den Kontakt zu meinen Eltern völlig abzubrechen. Die Aussage ist einfach nur inakzeptabel, und ich weiß nicht, ob ich möchte, dass unsere Kinder sojemanden später mal kennenlernen.

    • Huhu! Na, dann habt Ihr ja jetzt einiges abzufangen, was die Bedenken Eurer Eltern angehen. Ich wünsche Euch, dass Ihr Euch nicht beirren lasst. Und wer weiß, vielleicht können Eure Eltern so auch mit Euch eine Entwicklung mitmachen, von der sie dann später profitieren…

    • Übrigens find ich es toll, dass Ihr während des Studiums und entgegen allen „Miesmachern“ Eurem Wunsch nachgeht und ganz für Euch allein entschieden habt, wann der richtige Zeitpunkt ist. Hut ab! Ich bin gespannt…

  2. Hallo,
    wir haben unseren Eltern zunächst nichts erzählt, weil wir nicht jedes Mal gefragt werden wollte, ob es denn nun geklappt hat. Wir wollten keine Einmischung und im Nachhinein war das für uns auch gut so! Als meine Frau in der 6. Woche war, sind meine Elter zu Besuch dagewesen und da wir eh schon ganz aufgeregt waren und wie die Honigkuchenpferde gegrinst haben, haben wir ihnen das US Bild gezeigt. Meine Mutter war ganz aus dem Häuschen und hat sich total gefreut. Mein Vater war erst etwas zurückhaltend und später im Auto hatten meine Eltern dann ein Gespräch das in etwa so ablief:
    Vadder: Aber das ist ja gar nicht so richtig unser Enkel
    Mudder: Stell Dir vor V. (mein leider mit 24 verstorbener Bruder) wäre verheiratet und er wäre zeugungsunfähig und seine Frau würde per Insemination jetzt ein Kind bekommen können, wäre dass dann unser Enkel.
    Vadder: Ja schon
    Mudder: Siehste, ist doch das Gleiche!

    Das hat mir meine Mutter später erzählt und ich bin echt stolz auf meine Eltern! 🙂

    Die Eltern meiner Frau waren etwas zurückhaltender, bis erstmal geschockt. Meine Frau hat es meiner SchwieMu am Telefon erzählt und die war wohl erstmal sprachlos und meinte dann, dass sie mit sowas ja nicht gerechnet hätte. Tja, daraufhin war meine Frau erstmal ziemlich geknickt. Aber dann hat sich SchwieMu eingekriegt und alles ist (zumindest was das Kind angeht), Friede, Freude, Eierkuchen. Wie mein SchwieVa reagiert hat weiß ich gar nicht.

    Meine Schwester hat sich gefreut, mein Schwager hat sich gefreut, Freunde von mir haben erstmal nen Sekt aufgemacht, als ich ihnen davon erzählt habe. Im großen und ganzen haben wir sehr viele positive Erfahrungen gemacht. Manche fragen wie wir dem Zwerg, das mit dem Papa erklären wollen. Er ist 4 und weiß, dass uns ein Arzt geholfen hat, aber eigentlich immer ein Mann und eine Frau für ein Kind benötigt werden. Andere haben Sorge, dass er nicht genug männliche Bezugspersonen hat, aber er hat einen ganz wunderbaren Onkel, den er vergöttert und zwei Opas, der einer wunderbarer, der andere nicht mein Fall 😉 Im KiGa hat er einen männlichen Erzieher, den er super findet und überhaupt gibt es genug Studien die zeigen, dass Kinder in gleichgeschlechtlichen Beziehungen sehr gut aufwachsen, weil Wunschkinder und früh zu Toleranz erzogen und sich den geschlechtlichen „anderen“ Part selber suchen und das gar nicht schlimmer oder besser ist, als ihn/sie im Haus zu haben. Was sollte also gegen ein Kind sprechen? 😀

    • Hach ja, so denk ich mir die Realität der Reaktionen. Die Studien sind mir auch bekannt, erst kürzlich waren wir auf einem Vortrag zum Thema “Situation von Kindern aus Regenbogenfamilien im hetreozentrierten Umfeld”. Eigentlich keine schlechte Idee, bei Auseinandersetzungen dann auch auf die Studien zu verweisen!
      Ich finde es toll, wieviele männliche Rollenvorbilder Euer Sohn hat.
      Wir sind derzeit noch krampfhaft am überlegen- hätten gerne einen männlichen Taufpaten (unabhängig von der Frage, ob es eine Taufe gibt oder nicht), der dann auch im Umfeld lebt! Allerdings wohnen unsere männlichen Familienmitglieder alle 550km weiter südlich! Und im Bekanntenkreis herrscht ein ziemlicher Mangel an Männern. *weiter überlegt*
      Nunja, erst mal muss es klappen mit schwanger werden, und, und, und… Aber man kann ja nie früh genug planen :-p …

      • Die Großeltern und der Onkel leben leider auch alle nicht um die Ecke, aber er hat trotzdem ein gutes Verhältnis zu allen, also zur Zeit mach ich mir keine Sorgen. Wer weiß was in 10 Jahren ist, aber darauf müssen wir dann reagieren, wenn es soweit ist. Und ehrlich, was gab es denn früher für männliche Bezugspersonen? Die meisten Väter haben doch durch Abwesenheit geglänzt und die Kinder waren immer von Frauen umgeben, Mama und Omas, Tanten, Erzieherinnen etc. Letztens habe ich mal eine Statistik gesehen, dass es nach wie vor so ist, dass die Kinder am meisten mit der Mutter kommunizieren. Am wenigsten reden Vater und Sohn miteinander, trauriges Bild und sicher nicht zu verallgemeinern, aber vermutlich häufiger Realität als einem lieb ist.

      • Na klar, die Studien haben auch ganz klar gesagt, dass Kinder in Regenbogenfamilien tendenziell -mir fehlt das richtige Wort- glücklicher aufwachsen, auf jeden Fall auffällig konfliktarm, und dass das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind häufig sehr stark ist. Klar, wann sonst bedarf es soviel Planung und Willensstärke, bis der Nachwuchs dann wirklich in die Familie kommt.

  3. Hm…also es war etwa so:

    Ich kam ins Wohnzimmer und sagte zu meinen Eltern:““Streicht sofort mein Taschengeld, vermietet mein Zimmer und werft alle meine Kleider aus dem Fenster, nehmt meinen TV und die Stereoanlage und auch das iPhone und iPod,und mein Laptop….Gebt all meinen Schmuck der Heilsarmee oder ins Pfandhaus.Dann verkauft mein neues Auto, nehmt meine Haustürschlüssel von mir weg und werft mich aus dem Haus.Verleugnet mich und sprecht nie wieder mit mir.Und nicht vergessen! Streicht mich aus eurem Testament.“
    „Wow, das hast du wirklich gesagt?“
    „Na ja, ich habe es ein wenig anders formuliert…Was ich tatsächlich sagte, war:…Meine Frau und ich möchten mit Hilfe eines Samenspenders ein Kind bekommen.“

    Gut, als Witz auf Facebook gefunden, ein wenig angepasst…aber ähnlich war es, jedenfalls im Kontakt mit meiner Mutter. Selbst jetzt, zwei Jahre nach diesem ersten Gespräch, wo Krümel endlich im Bauch ist, ist es mit ihr nach wie vor ähnlich. Mein Papa ist sehr viel entspannter und freut sich sogar auf Krümel.

    Die Eltern meiner Frau freuen sich auch, also ist es an sich eigentlich recht entspannt.

    • Ich wollte schon gerade fragen: Seit wann unterstützt Du den Konzern mit dem Apfelkrotzen 😀 ? Du bekommst Taschengeld? Und warum weiß ich noch nichts von dieser filmreifen Nummer? *knuff*
      Ich wünsche mir bzw. Euch, dass Deine Mama noch die Kurve kriegt. Aber bleiben wir realistisch und konzentrieren uns auf alle Menschen, die sich freuen und hinter Euch stehen…

  4. Wir waren gestern bei meinen Eltern. Sie wissen seit einiger Zeit von unserem Kinderwunsch, da wir sie nicht anlügen wollten. Mein Vater hat gestern zum ersten Mal bei diesem Thema den Mund aufgemacht. Er meinte, das ganze wäre sehr unseriös („die können euch ja irgendwelche Samen geben“), wie wir es denn dem Kind sagen wollen etc.
    Erstmal war ich sehr erfreut, dass er überhaupt mal eine Reaktion gezeigt hat. Und dann haben wir ihm alles ruhig erklärt. Es ist halt etwas skuril und ungewöhnlich für die meisten Leute. Schliesslich wurde die Stimmung etwas lockerer, und er witzelte, dass die Vorgehensweise halt nicht so sexy sei.

    Aber schlussendlich zählt bei unserem Kinderwunsch alleine das, was meine Liebste und ich für richtig halten, und wir lassen uns von solchen Reaktionen weder beinflussen noch beindrucken.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s