9 Gedanken zu “Lesenswerter Artikel über Spenderkinder und ihre Identitätssuche

  1. Ich finde ja, dass man unsere Situation nicht eins zu eins vergleichen kann. 2 Frauen, die gemeinsam Kinder haben, müssen den Kindern ja zwangsläufig erklären, wie sie entstanden sind. Und es ist von Beginn an klar, dass die Kinder mit diesem Bewusstsein aufwachsen und es praktisch nicht anders „kennen“. Sie wissen also, dass da ein Samenspender im Spiel war und wachsen mit dieser Information auf.

    Häufig gibt es bei Spenderkindern ja große Probleme, wenn sie erst spät erfahren, dass sie durch Samenspende entstanden sind. Das ist ja auch verständlich – die „heile Familie“ stellt sich plötzlich als Lüge heraus und den Kindern wird klar, dass ihre Eltern ihnen häufig 10, 20 Jahre die Wahrheit verschwiegen haben. Deshalb raten Psychologen und Experten ja auch immer dazu, Spenderkinder frühzeitig aufzuklären (spätestens mit 3 oder 4 Jahren sollte man damit beginnen). In vielen Fällen haben diese Kinder, die früh aufgeklärt werden, dann keine Probleme. Die Eltern haben ja nichts „verschwiegen“, und den Kindern wurde keine Wirklichkeit vorgespielt, die so nicht richtig ist. Natürlich kann es dann immer noch passieren, dass diese Kinder den Samenspender kennenlernen wollen – aber das ist ja nicht schlimm, sofern eine nicht-anonyme Spende gewählt wurde. Meist geht es den Kindern ja dann nicht darum, einen „Vater“ zu finden, sondern einfach die 2. genetische Hälfte kennenzulernen.

    Was ich damit sagen will: Unsere Kinder werden praktisch von Geburt an über ihre Entstehung aufgeklärt werden (irgendwann werden sie es dann schon verstehen 😉 ) und wenn sie später den Wunsch verspüren, den Spender zu treffen, werden wir sie natürlich dabei unterstützen. Meiner Meinung nach ist dies auch der einzig richtige Weg, auch wenn viele Eltern das offensichtlich anders sehen (und ihren Kindern von vornherein die Wahrheit verschweigen).

    • Da geb ich Dir absolut Recht.

      Ich finde es halt auch wichtig, dass man sich möglichst für einen Spender entscheidet, der mit einer späteren Kontaktaufnahme einverstanden ist. Die Entscheidung, ob, oder ob nicht, kann man meiner Meinung nach nicht ohne das Kind fällen.

      Ich habe mich zunächst monatelang mit einem Spender auseinander gesetzt, der von sich nur den Vornamen angegeben hat und seine komplette Daten zum finanziellen Schutz seiner eigenen Familie nicht herausgeben wollte, Gesundheitstests geschwärzt, usw.. Was ich persönliche absolut nachvollziehen kann, hat mir dennoch Bauchschmerzen bereitet. Er argumentierte, dass man ja via Mail Kontakt halten könne, seine Adresse würde sich nicht ändern, und alles. Und irgendwann könne das Kind dann Kontakt suchen. Aber wer sagt mir, ob der Spender es sich in 10 Jahren nicht anders überlegt, aus irgendwelchen persönlichen Gründen? Alle Pfade abbricht und so fürs Kind nie und nimmer auffindbar sein würde? Letztenendes haben wir uns deshalb dagegen entschieden.

      Unser jetztiger Spender setzt extrem auf Vertrauen, wobei er weiß, dass dies nicht ausreicht, sollte es vor einer SK-Adoption hart auf hart kommen. Er trägt das Risiko in großem Stil und er hat meinen größten Respekt. Wir tragen ihn zwar nicht in die Geburtsurkunde ein, aber haben eigentlich alle Daten, die man sich nur vorstellen kann von ihm. Und mit sowas im Gepäck kann man sich auch leichter auf die Suche machen irgendwann, sollte der provisorische Kontakt abreißen.

      Wir hatten die Idee, dass wir dem Kind immer wieder ein Foto zeigen und sagen, dass das der Mann ist, der uns Mamas geholfen hat, es zu bekommen, so dass es da irgendwie reinwachsen kann und mit einem gewissen Bewusstsein in seine Identität hereinwachsen kann.

      • Aus dem Grund bin ich auch komplett gegen anonyme Samenspenden (ob nun über eine Samenbank oder privat, im Ergebnis ist es für das Kind ja das gleiche).

        Ich verstehe auch die Gründe für anonyme Spenden (aus Elternsicht) nicht. Ich bin immer dafür, dem Kind die Möglichkeit zu lassen, ob es den Spender später kennenlernen möchte. Nur, weil es einen offenen Spender gibt, ist das Kind ja nicht zur Kontaktaufnahme gezwungen. Aber es gibt die Möglichkeit. Vielleicht bin ich da selbst zu sehr involviert – ich habe meinen Vater mit 15 sozusagen „kennengelernt“ (davor nur alle paar Jahre ganz kurz gesehen, das letzte Mal dann mit 8 Jahren oder so). Und „mal anschauen“ wollte ich ihn mir auch. Auch wenn er mir jetzt nicht mehr bedeutet als vorher und ich mit ihm so überhaupt nichts gemeinsam habe… Aber ich weiß jetzt, wer er ist. Es war zwar nicht mein absoluter Herzenswunsch ihn kennenzulernen (meine Mutter hat mich zu ihm „abgeschoben“, weil sie mit mir nicht mehr klarkam), aber ich bin irgendwie froh, ihn mal besser kennengelernt zu haben.

        Grundsätzlich finde ich es absolut richtig, dass in Deutschland seit einigen Jahren anonyme Samenspenden verboten sind. Leider kann der Staat aber ja schlecht überwachen, ob sich auch wirklich jede Privatperson daran hält…

        Wir werden zwar kein Foto vom Spender haben, aber trotzdem wird unser Kind von Beginn an wissen, dass wir einen „Helfer“ (später vielleicht dann auch Samenspender, je nach Alter) hatten. Und ehrlich gesagt fände ich es nichtmal schlecht, wenn unsere Kinder dann den Spender suchen möchten… Ich bin ja auch neugierig, wie der Spender so ist 😉

      • Finde ich wundervoll wie ihr das machen wollt. 🙂
        So oder so ähnlich sieht auch unser Plan aus. Wir haben zwar nicht extrem viele Daten von unserem Spender (was ebenfalls private Gründe seinerseits hat), jedoch haben wir Vor- und Zuname und zwei Fotos. Ich hoffe zwar ihn überzeugen zu können uns noch ein schöneres Bild (ich dachte da an eine Art Portrait im Stil Bewerbungsfoto 😉 ) zu geben wenn es mit einer Schwangerschaft geklappt hat, aber was wir bisher haben ist immerhin besser als nichts. Und sollte bei uns der Kontakt einschlafen, was ich nicht hoffe, so haben wir immerhin den Namen und das Alter (wenn auch nicht das genaue Geburtsdatum), und damit kann man dann wenigstens was anfangen hoffe ich. Und durch die bildliche Präsenz des Erzeugers hoffe ich auch es dem Kind leichter zu machen seine Identität zu begreifen und anzunehmen. 🙂

      • Ich hoffe auch, noch ein schöneres Bild zu bekommen, als das, was ich ergoogelt habe… Aber dafür ist die Zeit noch nicht gekommen, zu fragen :-). Ach, wir werden die Kinder sicher sehr gut schaukeln!

  2. Kenne immerhin schon die „andere“ Seite, da ich als Baby adoptiert wurde. Meine Eltern haben mir nie verschwiegen, dass ich nicht ihr leibliches Kind bin und ich bin mit diesem Wissen aufgewachsen. Von meiner leiblichen Mutter habe ich die Daten bekommen als ich volljährig war, von meinem Vater (meine leiblichen Eltern waren nicht verheiratet, mein Vater noch nicht volljährig) bekam ich die Daten als ich für meine Hochzeit eine Abstammungsurkunde brauchte. Ich habe mir zwischendurch immer mal wieder überlegt, meine leiblichen Eltern mal zu suchen, habe mich aber dagegen entschieden. Es sind für mich wlidfremde Menschen, die mir ihre Gene mitgegeben haben und sich glücklicherweise in ihrer damaligen sehr ungünstigen Lage gegen eine Abtreibung entschieden haben. Allerdings haben sie sich durch die Adoption auch für ein Leben ohne mich entschieden. Ich habe Eltern, die mich erzogen haben, sich um mich gekümmert haben und immer noch Teil meines Lebens sind. Sie sind die, die ich Eltern nenne, dazu reicht es meiner Meinung nicht, seine Gene weiter zu geben.
    Ich muss auch sagen, dass ich nicht nachvollziehen kann, wie ein Mensch, der jahrelang einen Mann im Leben hatte, der die Vaterrolle erfüllt hat, plötzlich den Erzeuger kennenlernen will, mit der Aussage, dass er seinen Vater finden will. Das würde mich, als Erfüller der Vaterrolle, wahnsinnig verletzen.
    Zu unserem Krümel: Krümels Papa ist ein guter Freund von uns und Krümel wird mit ihm als Papa aufwachsen, auch wenn meine Frau Krümel adoptieren wird.

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