Stillen.

Stillen ist toll. Stillen ist das Beste fürs Kind. Stillen ist Symbiose, sichtbar gewordene Bindung. Blablabla…..

Soweit die Theorie.

Ich hab mich in der Fantasie immer gesehen mit Kind an der Brust, stolz überall -ohne Rücksicht auf Verluste- meinem Kind DAS BESTE gebend, was ich nur kann. Aber irgendwie muss ich doch heute mal zugeben, dass dieses Idealbild eine Illusion sein kann. Nicht jeder findet im stillen die Erfüllung schlechthin. Ich wage eine heikle Aussage: Stillen kann zeitweise auch scheiße sein! Stillen kann nerven. Es ist raus.

Ich liebe mein Kind und ich stille es. Es gibt Momente in denen ich es auch genieße, dass ich so wichtig für ihn bin, dass diese Nähe so absolut ist. Aber gut, wichtig bin ich in diesem Moment halt, weil die Milchbar an mir angewachsen ist- darauf machte mich auch meine Frau freundlichst aufmerksam. Klar bin ich als Mutter für mein Kind megawichtig, aber ganz unrecht hat meine Frau nicht. Ich stille mein Kind, weil es einfach so viele Vorteile gibt und weil ich es kann. Punkt. Es ist gesund, und obwohl die Ersatznahrungen heutzutage nahezu perfekt sind, Antikörper gibts nur per Muttermilch.

Wir hatten keinen leichten Stillstart (wie verdammt viele, wie ich mittlerweile mitbekommen habe), weil meine Milch nicht schnell genug eingeschossen ist, trotz häufigem Anlegen. MiniMe wurde immer schlapper und hatte schließlich mal eben 12,5 % seines Körpergewichtes eingebüßt. Dann hieß es Abpumpen, fingerfeeden und sondenfeeding an der Brust, bloß nicht mit Flasche, böse Flasche! Kaum waren wir zuhause und sollten das Programm weitermachen, ersetzten wir das umständliche feeden in Absprache mit der Hebi durch Flasche. Also Muttermilch per Flasche. Ich wollte unbedingt stillen aber ich fühlte mich bei dem Mammutprogramm nach Zeitplan einfach zu sehr allein verantwortlich für sein Wohlergehen. Mittlerweile ist es ja ganz anders -stillen bei Bedarf- was war es schön, als wir endlich nicht mehr auf die Uhr schauen mussten! Trotzdem ist es immernoch so: Ich brauche diese eine Mahlzeit am Tag, die ich abgeben kann. Kaum kommt meine Frau nach Hause, drücke ich ihr schon den Kleinen in die Arme, um es mal überzogen auszudrücken. Das ist meine Auszeit. Und es fühlt sich absolut richtig an.

Ich finde es gut, dass wir heutzutage so aufgeklärt sind und dass z.B. den Ersatznahrungsherstellern in ihren Werbekampagnen Grenzen gesetzt sind. Aber um Gottes Willen, man glaubt ja fast, man müsste rund um die Uhr mit einem seligen Grinsen rumrennen :D. Frauen trauen sich kaum zu sagen, dass sie abstillen wollen oder fühlen sich tierisch schuldig, wenn es nicht klappt. Auf der anderen Seite wird man, wenn man öffentlich stillt, von einer bestimmten Zielgruppe angeglotzt als würde man gerade mit Feder im Arsch einen Porno drehen. Okay, noch dazu habe ich ein Kind, welches nicht Bauch an Bauch gestillt werden will (er hat immer eine Schieflage, aber anscheinend ist es bequemer für ihn) und sich immernoch gern bedienen lässt, anstatt selbst die Brustwarze gut festzuhalten. Im Ernst, fürs stillen wünschte ich mir wirklich kleinere Brüste als Körbchengröße F. Wie soll so ein kleines Wesen auch allein mit so nem schweren Koloss fertigwerden? Naja gut, jedenfalls kann man es ja eh niemandem recht machen, wie man sieht. Man soll gefälligst stillen, weil das das Beste ist. Aber wehe man tut es da, wo es jemand sieht, oder man die Brust nicht genügend bedeckt, ach ja, und wehe man stillt übers erste Lebensjahr hinaus. Körperverletzung ;-).

Ich stille, weil ich es kann. Weil es klappt und weil es gut ist. Und das auch hoffentlich noch eine Weile für mein Baby. Aber das Drumherum, naja, also bei mir läufts nicht so ab wie im Milchpulver-Werbespot, wo an Anfang immer kurz gesagt werden muss, es ist das beste, und ein seliges Baby an einer -zum bequem stillen- viel zu prall gefüllten Brust so ruhig trinkt, dass die Mutter darüber ganz selig wird.

Aber ratet mal, wer bestimmt jammert, wenn das stillen irgendwann vorbei ist? Richtig, ich! 😀

22 Gedanken zu “Stillen.

  1. Oh, ich kann das sooooo nachfühlen. Ich stille gerne, es klappt nach den üblichen Anfangsschwierigkeiten auch gut und es macht mich stolz, mein Kind ernähren zu können.
    ABER manchmal will ich meinen Körper gerne auch wieder mal für mich allein haben, mal nicht mehr die immer verfügbare Milchbar. Und das mit dem Kind dem Partner in die Hand drücken kenn ich auch, hab ich beim Großen so gemacht und immer schon sehnsüchtig auf die Uhr geschaut, wann er denn endlich heim kommt. Und wehe, er kam 5 Minuten später 😉

    Das mit dem doof gucken in der Öffentlichkeit nervt mich ebenso, ich glotz dann meistens zurück, wenn es jemand übertreibt.

    Ich find es auch blöd, wenn Frauen verurteilt werden, wenn sie nicht stillen. Wer weiß, was es für Gründe gibt und es nützt weder Mutter noch Kind, wenn das Stillen zu einer Qual wird.

    • Stimmt, das Wissen, ich kann mein Baby mitkraft meines Körpers wachsen und gedeihen lassen, zieh ich mir auch manchmal rein.

      Meine Frau steht dann abends immer in der Tür und fragt: „Darf ich mir vielleicht gerade noch die dreckigen Arbeitsklamotten ausziehen und kurz aufs Klo???“ Ja, aber husch husch! 😉 Gestern hat sie mir die Flasche hingehalten und gefraft, ob ich ihn füttere und sie dann kocht. Äh, nee! Ich hab natürlich gekocht.

      Aber was mir noch einfällt. Niemand hat einem erzählt, dass stillen auch manchmal eine riesige Sauerei ist. Baby lässt kurz nach dem andocken Brustwarze los, guckt einmal links und rechts? Baby hat Muttermilch im gaanzen Gesicht. Raum ist einmal quer markiert mit Brustgold und natürlich ist gerade KEIN Spucktuch weit und breit. Vergesse ich beim nächtlichen stillen die andere Brust mit nem Spucktuch dick zu polstern (weil jede Nacht mit BH schlafen zwecks Stilleinlage auf dauer unbequem ist), habe ich nach 3 Minuten, wenn ich es dann merke, eine fast komplett nasse linke T-Shirtseite. Und wenn beim abpumpen die Brustschale mal nicht korrekt an der Brust sitzt, und es in Richtung Brust raus kommt statt in die Flasche, kleben die Hände als hätte ich sie in der Kellogsschale gebadet… Also in dem kleinen Zucker-Milchrest, der am Ende noch drin süffelt. Achja, nehmen wir es mit Humor.

      • Das Spritzszenario ist besonders schön, wenn man gerade unterwegs stillt. „Herr Tischnachbar, etwas Milch in den Kaffee??“

      • Nachts das Bett fluten, weil Kindlein ganz plötzlich beschließt, 7 Stunden hintereinanderweg zu schlafen, können wir auch.
        Und wir haben überall Taschen- oder Kosmetiktücherboxen rumstehen, um die größten Sauereien schnell zu beseitigen 🙂

  2. Ich beneide dich. Auch wenn ich einerseits froh bin, fehlt mir das stillen sehr. Ich habe das Gefühl, dadurch wird uns noch mehr genommen und all das kann ich nie wieder aufholen. …

    • Ich kann Dich gut verstehen. Bestimmt fehlt auch die Zeit, so eine intensive Nähe einzubauen, aber es soll echt helfen, wenn man stattdessen die nackigen Babys auf die nackige Haut legt, Decke drum, kuscheln… Macht Ihr sowas? Auf Anraten meiner Hebamme hab ich übrigens ein Teil der Geburtserfahrung nachgestellt. Ab in die Badewanne, Baby nassmachen, warmes feuchtes Baby auf die Brust legen, warmes Handtuch drüber… Fühlt sich an, wie wenn das Baby aus dem feuchtem Fruchtwasser auf den Bauch gelegt wird. Bzw. sich es dann vielleicht auch vorstellen, es wäre so, notfalls Tränen fließen lassen….

      • Haben wir auch schon versucht. Leider bin ich die meiste zeit alleine und mit zwei klappt das nicht so, weil einfach die Ruhe dafür fehlt. Sind meist beide gleichzeitig wach, bzw dauert nie lang bis der andere wach wird und Aufmerksamkeit fordert, wenn ich mich um einen kümmere und kuschel, wenn er wach ist

  3. So sehr ich dich ums Stillen-Können beneide, so sehr versteh ich das. Mein einziges „Pflichtstillen“ ist das Einschlafstillen, und selbst da nervts mich dass ich niemals einen Abend mal abgeben kann, weils einfach beim Mann nicht klappt.
    Meiner liegt auch BauchanBauch nicht gut, er liegt eher flach auf meinen Beinen oder flach neben mir im Bett. Hängt mit der Position meiner Brustwarzen zusammen, so ist es einfach bequemer für ihn. Ist doch egal ob er nun fachbrav symmetrisch liegt, Hauptsache ihr beide habts bequem!
    Ich hab übrigens schon seeeehr viele sagen hören, dass das Stillen erst nach einem halben Jahr Spaß macht (da wo die meisten dann anfangen aufzuhören). Die Trinkabstände sind dann deutlich größer, das Kind hat mehr „Zug“ und holt sich schneller was es braucht, hängt also nicht so lange dran. Braucht auch viel weniger „Rumlutsch-Stillen“.

    Wie ihr eure Stillbeziehung designed geht doch nur euch was an. Und wenn du abpumpst, und deine Frau Fläschchen gibt damit du mal abschalten kannst, dann ists halt so. Und wenn du nicht zum Abpumpen kommst, überlebt er – da bin ich mir relativ sicher – auch mal ein Fläschchen Anrührmilch. So lang ihr die meiste Zeit stillt hat er sicher genug Exklusivbrustbeziehung und genügend Spezialmilchzauberstoffe.

    Ich kann das nicht raten, weil das klappt nie wenn mans geraten bekommt, aber da mich die beiden kleinen Stresszwerge dazu nötigen kann ich aus Erfahrung sagen: manchmal tuts gut 5 grade sein zu lassen… 😉

  4. Ich unterschreibe fast alles genau so! 😀 Aber sowas von. Was ich aber anders sehe: natürlich ist es eigentlich jedem selbst überlassen, ob er bzw. in dem Fall sie stillen möchte oder nicht und es gibt sicher viele Fälle in denen es wirklich nicht klappt oder die Mama sich damit einfach nicht wohl fühlt. Was sich dann ja auch aufs Kind überträgt. Aber ich habe null Verständnis für Mütter, die aus reiner Bequemlichkeit (und ich frage mich da, was bequemer ist: nachts aufstehen und Flasche machen oder Shirt hoch und weiterschlafen?) nicht einmal den Versuch wagen. Wir wissen alle, dass Stillen das beste ist – und wenn ich das beste für mein Baby will, warum entscheide ich mich dann gleich dagegen? Ja, ich hab da eine feste Meinung. 😀 Angreifen oder Reinreden würde ich trotz Nicht-Verständnis aber niemanden/niemandem.

    Ich kann dich auch gut verstehen. Wir stillen nicht mehr viel (aber dann auch gerne mal in den unmöglichsten Positionen :’D), aber ich war auch immer froh, wenn meine Frau abends die abgepumpte Milch füttern konnte und ich mal ne Pause hatte. Jetzt isst Mats alle Mahlzeiten „richtig“ und wir Stillen eigentlich nur noch nachts. Darauf könnte ich gut verzichten – tausche nächtliches Stillen gegen Schlaf! Jemand Interesse? 😉 Aber wenn das auch – irgendwann – wegfällt, ich werde auch traurig sein.

    Am Ende (lange Rede, kurzer Sinn): jeder, wie er mag. Mit bestem Wissen und Gewissen. Und „Klamotten aus und aufs Klo“, das kommt mir ja soooo bekannt vor.. 😀

  5. Ui, so einen ähnlichen Beitrag habe ich auch noch in der Warteschleife! 😉 Scheint ja einigen Frauen ähnlich zu ergehen, wobei es bei uns grad sehr gut funktioniert. Das mit dem Fluten kenn ich auch, ist aber zum Glück etas weniger geworden, ich hatte aber ne Zeit, da habe ich mich nachts zweimal umgezogen. Ich habe zum Glück keine Schwierigkeiten im Still-BH zu schlafen, aber nicht immer funktioniert das mit den Einlagen so wie es soll. Heute Nacht zum Beispiel hab ich mir die Einlage im Halbschlaf verkehrt herum eingelegt und mich heute Morgen gewundert, weshalb die so an der Brust klebt. 😀 Ach ja, und egal wieviele Spucktücher man in der Wohnung verteilt, die sind NIE in Reichweite.

  6. Schönes Gefühl, wenn ich nicht allein bin. Will aber nicht missverstanden werden. Stille ja schon meist gern. Aber es wird nur immer alles so rosarot und und unrealistisch dargestellt, was Druck machen kann.

  7. Ich bin ja bekennende Pump-Still-Mama. Weit über 8 Monate. Alle 2-3 Stunden. Auch Nachts. 100% MuMi.

    Viele halten/hielten mich deswegen für verrückt. Aber da das „direkte“ Stillen nicht so meins war (und ich schiebe das auch auf einen großen Busen) ich aber das Beste (nämlich Muttermilch) für mein Kind wollte/will, hing ich an der Pumpe.

    Wäre vielleicht eine Alternative – solltest du wirklich nicht mehr „direkt“ stillen wollen. Hat den großen Vorteil das Frau auch mal Flasche geben kann, besonders auch nachts 😉

    • Respekt, dass Du das so durchziehst. Ist ja ein mega Zeitaufwand. Finde ich schön. So wuerd ichs auch probieren wollen, wenn stillen an sich nicht mehr ginge, warum auch immer.

  8. Danke danke danke für den Beitrag! Der passt bei mir grad sooo gut! Ich stille erst seit 5 Tagen, davon hatte ich aber bisher keinen Tag ohne wenigstens 1x beim Stillen geheult zu haben. Meine linke Brustwarze blutet, die Brüste tun weh und heute Mittag war es soweit, dass ich heulend da saß, weil ich wusste, gleich hat sie Hunger und ich muss wieder stillen. Sie ist grad einfach nicht satt zu kriegen und ich hab dann zusammen mit meinem Mann und nach kurzer Rücksprache mit meiner Hebamme eine Packung Fertig-Pre, die ich vorsorglich zu Hause hatte, geöffnet, gewärmt und gefüttert. Mein Mann meint, ich hätte lange nicht so entspannt ausgesehen und es war so schön, sie ohne Schmerzen zu sättigen!
    Ich will nicht ganz abstillen oder auf Pre umsteigen, erstmal die Stillintervalle erhöhen, damit meine Brüste sich erholen können. Und zwischendurch gibt’s dann eben mal ein Fläschchen abgepumpte Muttermilch. (Ich hoffe zumindest, dass ich das mit’m Pumpen gut hinkriege, die kommt heute Nachmittag per Post.)

    • Fuehl dich gedrückt. Der Anfang kann so schwer sein. Ich bin ja davon überzeugt, dass es viel mehr hilft, den Druck rauszunehmen, wenn es irgendwie geht. Dann kann die Milch auch besser fliessen als im Stress. Und so lange Du trotzdem anlegst oder pumpst wird die Milch ja mehr werden. Es ist so ein elendes Gefühl sich so gebraucht zu fühlen, aber dem nicht gerecht werden zu können. Das macht so viel Druck. Und Ihr sollt Euch doch aneinander gewoehnen und geniessen. Redet viel mit der Hebamme, guckt, dass die Milchproduktion angeregt wird und verschafft Euch erst mal ein sattes Kind. Und ganz wichtig: Ich hoffe, Du benutzt Lanolinsalbe für die Brustwarzen? Staendig einschmieren, das hilft heilen und beruhigt. Gute Besserung und viel Kraft wuenscht die gerade stillende Mama I (im Liegen mit Handfreiheit)

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