Erziehung, Beziehung und so Sachen

Ich hasse das Wort Erziehung. Es klingt, als müsste man an einem Kind in alle Richtungen ziehen, damit es irgendwann „gut“ ist. Das war bis vor, sagen wir mal, ca 40 Jahren, ja auch so. Das Kind wurde als unkomplett gesehen, man wollte es erst noch formen. Dabei wurde das Kind öfters mal gebrochen, aber musste ja sein- so die damalige Vorstellung. 

Im Laufe der Jahre hat sich Erziehung gewandelt und revolutioniert. Und tut es immernoch. Im Allgemeinen geht man zumindest in der Fachpaedagogik heute davon aus, dass im Kind selbst „ab Werk“ alles steckt. Im Laufe seiner individuellen Entwicklung wird es sich von selbst entfalten und es braucht nur liebevolle Begleitung.
BEZIEHUNG statt Erziehung.

Ich denke trotzdem sind „Erziehungs“fragen die am häufigsten diskutierten Dinge zwischen Elternpaaren. Es ist toll, wenn man sich immer einig ist. (Gibt es das???) Aber weil jeder sein Leben gelebt hat und seine eigenes Pack an Erfahrungen mitbringt wird es immer unterschiedliche Meinungen und Weltanschauungen geben. Jeder übernimmt auch bestimmt Dinge von seinen Eltern. Gutes vielleicht bewusst, nicht so Gutes evtl. eher unbewusst und ärgert sich dann drüber. Ganz streichen können wir das, was wir früher als Kind erfahren haben, nie. Es ist immer da, auch wenn wir sehr bewusst damit umgehen.

Ach ja.  Die Frage WANN Erziehung anfängt stellt sich auch immer wieder!  Manche sagen „Ein Kind vor dem ersten Lebensjahr kannst Du eh nicht erziehen.“ Oft auf Ratschläge vom älteren Kaliber hin, das Baby bloß nicht zu verwöhnen (Verwöhnung = Gewöhnung). Ich persönlich denke, es ist doch eine Frage von Grundbedürfnissen. Wenn ich ein weinendes Baby sofort beruhige gewöhne ich es daran, dass seine Grundbedürfnisse erfüllt werden. Alles richtig gemacht, oder? 🙂 Schlimm waere es anders rum. Verwöhnen, das ist, schlechte Angewohnheiten zu fördern. Das koennte ich tun, indem ich das Kind mit zu viel Spielzeug zumülle z.B. (hm, ich gestehe meine Tendenz dahin), oder dem Kind,  wenn es älter ist, ständig Sachen neu kaufe, die es vielleicht leichtfertig oder absichtlich kaputt gemacht hat. Egal. Meine Ansicht.

Auch wir hier sind uns nicht immer einig. Unser Kind ist 8 Monate alt. Und es gibt schon so viele Sachen, die man so oder so machen kann.
Zugegebenermaßen,  diejenige, die mehr Zeit mit dem Kind verbringt, sitzt etwas am längeren Hebel.

Beispiele fuer Punkte, die uns momentan beschäftigen sind:

– Wie lange wird Mini Me noch im Familienbett schlafen?
Meine Position: bis er selbst auszieht. Die Position von Mama-J: Monatliches fragen wann er denn auszieht und darauf hinweisen, dass er sich langsam daran gewöhnen sollte, im Beistellbett zu schlafen.

-Wie viel soll und darf er „abgelegt“ werden, und wann braucht er Kontakt und wann nur Freiraum zum spielen?
Meine Position: (Evtl. viel zu häufiges) sagen,  er braucht Nähe und Kontakt (dennoch irgendwie instinktiv), wenn er spürbar runter will, dann ihn auf den Boden legen. Mama-J: Wuerde das in etwa genau umgekehrt handhaben, merkt aber, dass ich dann denke, sie wuerde das Kind abschieben und bemüht sich um mehr Baby kuscheln :-D.

-Wie viel cm dürfen zwischen meiner Frau und ihm herrschen, wenn Sie ihm die Flasche gibt?
Meine Position: So nah wie möglich, bei 20 cm Abstand wirkt irgendwie jedes Kind emotional so verwahrlost auf mich. Mama-J: Sieht das eher locker. 😉

-Wie lange soll er sich mit einem Spielzeug beschäftigen bzw. wie oft darf man ihm etwas geben, wenn er quengelt, aber eigentlich selbst dran kommen würde?
Meine Position: Ich helfe ihm viel zu oft! Finde ich! Mama-J: hat mich darauf aufmerksam gemacht. Sie hat Recht!

Ich finde es gut, dass wir auch gegenseitig voneinander lernen!

Mein Erziehungsstil ist halt schon seeeehr bindungsorientiert. Ich bin davon überzeugt, dass das kein Verwöhnen ist, sondern den Grundstein fuer eine starke Persönlichkeit legt. Selbstständig werden sie von alleine, finde ich. Allerdings muss man sie dann natürlich auch lassen. Das will ich tun, auch wenn es schwer fällt, wenn das Baby groß wird. 🙂

Wie ist das bei Euch so?

Ich bitte um Seelenstriptease! 😀

Über welche Punkte wird bei Euch diskutiert? 
Auspacken, bitte!

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8 Gedanken zu “Erziehung, Beziehung und so Sachen

  1. Pingback: Erziehung?! | Wunschkind²

  2. Sehr gutes Thema. Werd mal einen Beitrag verfassen wenn Junior schläft.

    Vorweg: Wir sind uns, was Erziehung angeht, echt zu 95% einig. Keine Ahnung warum, aber da ticken wir vollkommen gleich.

  3. Ich finde schon, dass man auch im ersten Lebensjahr schon erziehen kann. Klar müssen und sollen die Grundbedürfnisse befriedigt werden, aber ich glaube, dass es auch in den ersten Grundbedürfnisse und Verwöhnen gibt. Und als Mutter hat man relativ schnell raus, was wirklich wichtig ist und was bspw. nur Gequengel.

    Und so habe ich bspw. auch von Anfang an darauf geachtet, dass das Kind immer selbständig einschläft und nicht daran gewöhnt wird, dass immer jemand dabei ist. Da hatte ich die Worte einer guten Freundin im Hinterkopf, die noch täglich 1.5 Stunden neben dem Bett ihrer 5-järhigen Tochter sass, bis diese eingeschlafen war. Eben weil sie ihr das schon früh angewöhnht hatten. Das Familienbett war daher bspw. für mich nie eine Alternative- vom Babybay, in dem sie die ersten sechs Wochen schlief, ging es ins eigene Bett in unserem Zimmer und mit drei Monaten dann ins eigene Zimmer. Hat super funktioniert und m.E. uns allen gut getan.

    Auch beim Spielen habe ich darauf geachtet, dass sie lernt sich selbst zu beschäftigen und mich erst einschalte, wenn es wirklich verlangt wird (natürlich spielen wir auch mit ihr zusammen Spiele, oder basteln oder, oder). Auch das hat super funktioniert und das Kind ist Meisterin der Selbstbeschäftigung. Oft schmeisst sie uns sogar aus dem Zimmer, weil sie lieber alleine spielen möchte.

    Zum Glück sind wir uns so ziemlich in allen Fragen der Erziehung einig. Im Großen und Ganzen bin ich höchstens einen Hauch strenger, mag auch daran liegen, dass ich die Bauchmutter bin und die Comutter erst später dazu kam. Aber es wird und ich bestärke sie immer wieder darin, dass sie die gleichen Rechten (und Pflichten ;-)) hat wie ich.

    Schönes und schwieriges Thema, über das man sicher noch Romane schreiben könnte 😉

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